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Bedeutung und Verbreitung



Heidelberger Bilderhandschrift

Entstand zwischen 1295 bis 1304 im obersächsischen Raum. Sie hat 310 Bildstreifen und 30 Blätter
(30 x 23,5 cm). Im 17. Jh. wurden die einzelnen Lagen neu geordnet, um das Buch mit einer besonders
prachtvollen und gut erhaltenen Seite beginnenzu lassen. So erscheint in Heidelberger seitdem der
Anfang des Lehnrechts. Auch die Blattzählung wurde in dieser Zeit neu verändert.


Oldenburger Bilderhandschrift

Entstand 1336 im Auftrag des Grafen Johann III. von Oldenburg, um die Ritterschaft im Recht zu
unterweisen. Die Sprache ist mittelniederdeutsch. Der Verfasser war ein Mönch des Klosters Rastede
bei Oldenburg namens Hinricus Gloyesten. Die Bilderhandschrift hat 578 Bildstreifen, allerdings
illustrieren sie nur das Landrecht. Lediglich 44 Bildszenen auf 14 Seiten sind farblich gestaltet,
während die restlichen Illustrationen nur die Umrisse der Figuren und Gegenstände erkennen lassen.
Auffällig ist der Verzicht auf die Kennzeichnung von Augen, Mund und Nasen in den Gesichtern. Die
Bilderhandschrift blieb somit unvollendet. Die Handschrift wurde im Jahre 1637 im Bücherverzeichnis
des Grafen Anton Günther von Oldenburg (1603-1667) erwähnt. Nachdem die Handschrift durch
Erbgang an andere Familien gelangt war, erfolgte 1877 der Rückkauf durch Großherzog Nikolaus
Friedrich Peter von Oldenburg (1853-1900). Dessen Urenkel veräußerte die Bilderhandschrift 1991
an die Niedersächsische Sparkassenstiftung Hannover, die sie erstmals der wissenschaftlichen
Öffentlichkeit zugänglich machte. Jetzt wird die Bilderhandschrift in der Landesbibliothek Oldenburg
aufbewahrt.


Dresdner Bilderhandschrift

Entstand zwischen 1295 und 1364. Sie hat 924 Bildstreifen und 92 Blätter (ca. 33 x 26 cm). Im Jahre
1574 wird sie im Katalog der Bibliothek des Kurfürsten August (1553-1586) erwähnt. Gegen Ende des
Zweiten Weltkrieges wurde der Codex im Keller des Japanischen Palais gelagert. Hier überstand er den
großen Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945. Doch lag das Stück etwa vierzehn Tage lang
im Schlammwasser, welches unbemerkt in den Keller eindrang. Die verheerende Folge war der fast
gänzliche Verlust der Kolorierung. Allein die aus Blattgold gearbeiteten Teile (Kronen, Zepter, Reliquiare,
Initialen) haben das Wasserbad überstanden. Neben diesen ist auch der Text weitgehend erhalten
geblieben.


Wolfenbüttler Bilderhandschrift

Entstand zwischen 1348 und 1362/71. Sie hat 776 Bildstreifen und 86 Blätter (ca. 35 x 27 cm). Die
Dresdener Bilderhandschrift bildete die Vorlage für die Wolfenbütteler Bilderhandschrift, weshalb sie
auch den mitteldeutschen Bilderhandschriften zuzuordnen ist. 1651/52 wurde die Bilderhandschrift
vom Herzog August von Braunschweig-Lüneburg (1635 - 1666) für seine Bibliothek erworben und
befindet sichnoch heute dort (Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel).